Humanoide Roboter: Vom Labor in die Fabrik

 

Sie sehen aus wie Menschen, laufen auf zwei Beinen und sollen Aufgaben übernehmen, für die bisher nur Menschen gebraucht wurden. Humanoide Roboter gelten derzeit als einer der spannendsten Trends in der Robotik. Während sie vor wenigen Jahren noch vor allem in Forschungslaboren zu sehen waren, werden sie heute in ersten Pilotprojekten in Logistik und Industrie erprobt.

Wir beobachten diese Entwicklung genau, denn sie betrifft Unternehmen aller Größen. Im Folgenden geben wir einen Überblick über den aktuellen Stand, zentrale Anbieter und die Hürden, die bis zu einem breiten Einsatz überwunden werden müssen.

Erste Praxistests in Logistik und Industrie

Mehrere Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Pilotprojekte mit humanoiden Robotern angekündigt. Agility Robotics hat seinen Roboter Digit in Logistikzentren erprobt, unter anderem beim Logistikdienstleister GXO, wo er Behälter transportiert. Auch in der Automobilindustrie laufen Tests: Bei BMW wurde ein Pilotprojekt mit Figure 02 in einem US-Werk durchgeführt, und Mercedes-Benz hat Erprobungen mit dem Roboter Apollo von Apptronik angekündigt.

Die Aufgaben in diesen Projekten sind meist überschaubar, etwa das Umschlagen, Transportieren und Sortieren von Material. Gerade hier zeigt sich jedoch, was in der Praxis zählt: verlässliche Abläufe, sichere Interaktion mit Beschäftigten und eine Integration in bestehende Prozesse.

Wichtige Anbieter im Überblick

Der Markt ist in Bewegung. Zu den bekanntesten Akteuren zählen:

  • Boston Dynamics (Atlas): Der bekannte Forschungsroboter wurde auf einen vollelektrischen Antrieb umgestellt und gilt als Benchmark für Beweglichkeit.
  • Unitree (G1, H1) und UBTech (Walker): Chinesische Hersteller bieten vergleichsweise günstige humanoide Systeme an und treiben damit den internationalen Wettbewerb an.
  • Figure AI, Apptronik und Agility Robotics: Diese Unternehmen konzentrieren sich vor allem auf Anwendungen in Lager, Logistik und Fertigung.

Die Vielfalt der Anbieter zeigt, dass sich der Markt noch in einer frühen Phase befindet. Welche Konzepte sich langfristig durchsetzen, ist offen.

Neurorobotik als Impulsgeber

Ein weiterer Bereich mit großem Potenzial ist die Neurorobotik. Forscher verbinden Robotik mit den Neurowissenschaften, etwa um Roboter über Gehirnsignale zu steuern oder biologisch inspirierte Steuerungsmodelle zu entwickeln. Solche Ansätze könnten langfristig die Bewegungsqualität, Anpassungsfähigkeit und Lernfähigkeit humanoider Systeme verbessern.

Herausforderungen auf dem Weg in die Breite

Die Technik entwickelt sich schnell, doch mehrere Hürden bleiben bestehen:

  • Energieversorgung: Akkulaufzeiten bestimmen, wie lange ein Roboter im Schichtbetrieb einsetzbar ist.
  • Sicherheit: Der Umgang mit Menschen in gemeinsam genutzten Arbeitsbereichen erfordert verlässliche Sicherheitskonzepte und Normen.
  • Zuverlässigkeit: Dauerbetrieb über lange Schichten stellt hohe Anforderungen an Hardware und Software.
  • Wirtschaftlichkeit: Ein belastbarer Business Case entscheidet darüber, ob sich Investitionen gegenüber bestehenden Lösungen lohnen.

Unsere Einschätzung

Die Technik wird schnell besser, doch die großen Hürden bleiben. Unternehmen, die jetzt Erfahrung sammeln, Anwendungsfälle prüfen und Know-how aufbauen, verschaffen sich einen Vorsprung. Dabei geht es weniger um den schnellen Einsatz als um eine strukturierte Vorbereitung.

Wir werden die Entwicklung weiter verfolgen und in den kommenden Wochen konkrete Beiträge zu einzelnen Herstellern veröffentlichen. Jetzt informieren, nächste Woche geht es mit konkreten Herstellern weiter.